Tomaten aus den Vierlanden

Rea verliebte sich auf der Stelle in die kleinen tiefroten Vierländer Tomaten, deren süßes und volles Aroma sie schon beim Anschauen geradezu auf der Zunge schmecken konnte. Sie riss sich eine braune Papiertüte ab, wählte genussvoll die schönsten Tomaten aus und legte sie in die Tüte.

Thies hatte inzwischen die andere Kundin verabschiedet und trat zu ihr. „Eine gute Wahl! Carsten hat gesagt, die Tomaten sind diesmal besonders süß.“

„Weiß ich doch, Thies, es gibt einfach keine besseren Tomaten als eure. Ich nehme gleich ein paar mehr mit, die sind immer so schnell alle …“

 

In meinem Buch sind viele der Protagonisten ziemlich versessen auf die guten Vierländer Tomaten. Dass ich die Tomaten ins (und aufs!) Buch gebracht habe, hat einen recht persönlichen Grund: Seit Jahren schon ist es mir ein Hochgenuss, wenn meine Mutter wieder Tomaten von ihrer Leib-und-Magen-Marktfrau gekauft hat, die ihre Tomaten grundsätzlich nur in den Vierlanden einkauft. Sie sind wirklich unvergleichlich. Erst denke ich jedes Mal, „naja, sind schon gute Tomaten, aber letztlich eben doch bloß Tomaten“. Und dann stecke ich eine von den kleinen Dingern in den Mund und bin hin und weg, wie süß und aromatisch sie schmecken! Das habe ich kaum jemals bei anderen Tomaten so empfunden. Ob das nun an den Vierlanden liegt oder daran, dass Mutters Marktfrau einfach einen besonders fähigen Bauernhof an der Hand hat? Ich weiß es nicht, finde aber, das ist Grund genug, sich hier einmal näher mit den Vierlanden zu beschäftigen.

Drei Ströme, vier Lande

Die Vierlande liegen südöstlich von Hamburg zwischen der Elbe im Süden und der höher gelegenen Geest bei Bergedorf im Norden. Ein sehr sumpfiger Landstrich war es ganz früher, bis man im 12. Jahrhundert begann, erste Deiche an der Elbe zu bauen. So wurden die Dove Elbe und die Gose Elbe vom Elbe-Hauptstrom abgeteilt – drei Flüsse, die der Gegend auch den Namen „Dreistromland“ einbrachten. Das fruchtbare Land wurde urbar und es entstanden die Kirchspiele Altengamme, Curslack, Kirchwerder und Neuengamme: Vier an der Zahl, daher kommt der Name „Vierlande“.

Hamburgs Blumen- und Gemüsegarten

Landwirtschaft gab es schon lange, zunächst hauptsächlich Getreide, im 18. Jahrhundert kam dann der Anbau von Blumen, Obst und Gemüse im großen Stil hinzu. Das fruchtbare Land vor den Toren der großen Stadt Hamburg und mit einer guten Verkehrsanbindung – erst über die Flüsse, später auf dem Landweg und ab Anfang des 20. Jahrhunderts sogar mit einer kleinen Bahn – entwickelte sich rasch zu Hamburgs „Blumen- und Gemüsegarten“. Heute sind die Vierlande zusammen mit den benachbarten Marschlanden das größte Gemüse- und Blumenanbaugebiet Deutschlands. Kein Wunder also, dass man dort genau weiß, wie man leckere Tomaten produziert!

Mehr als Ackerbau

Ich stelle bei meiner Recherche zu diesem Artikel mit einem gewissen Erstaunen fest, dass es in den Vierlanden etliche Naturschutzgebiete gibt, Seen zum Baden und zum Surfen, schöne Fahrradstrecken und eine ganze Menge Natur. Ich glaube, ich muss da mal hin. Bisher kenne ich ja nur die Tomaten!

2 Kommentare

  1. In die Vierlande komme ich gerne mit –
    das Gebiet kenne ich auch noch nicht richtig –
    bin vielleicht viel früher irgendwo dort gewesen –
    es ist also Zeit, die Kenntnisse zu erneuern –
    und vielleicht auch Tomaten kaufen zu können ???

    VH

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