Vom Keimling zur glücklichen Tomatenpflanze

Blätter von kleinen Tomatenpflanzen

Ich hoffe, eure Tomatensamen sind mit den Tipps im ersten Teil der Anleitung gut gekeimt und wachsen brav vor sich hin.

Zeit für den ersten Umzug

Ihr habt nun also Keimlinge, die zu richtigen Tomatenpflanzen werden und natürlich reiche Ernte bringen sollen. Da ihr die Samen vermutlich in kleinen Töpfen ausgesät habt, müssen die Minis erst einmal umziehen, und zwar dann, wenn nicht nur die runden Keimblätter, sondern schon das erste Blattpaar richtiger Tomatenblätter zu sehen ist. Dieses Umpflanzen, ggf. verbunden mit der Vereinzelung dicht wachsender Pflanzen, nennt man Pikieren.

Pikieren: so geht’s

  • Einige Stunden vor dem Pikieren wässert ihr die Keimlinge tüchtig, das stärkt die Pflanzen und erleichtert das Umsetzen.
  • Ihr füllt größere Töpfe (ideal: 9 cm Durchmesser) mit nährstoffreicherer Erde (im Unterschied zu der nährstoffarmen Anzuchterde, die ich im ersten Teil empfohlen habe; ihr könnt spezielle Gemüseerde nehmen, aber auch einfach normale Blumenerde).
  • Einige Quellen meinen, dass ein Pikierstab das ideale Werkzeug ist, andere sagen, das Pikieren gelingt mit Schaschlikstab oder Löffelstiel genauso gut. Mir (komplett ahnungsfrei) schiene der abgerundete Stiel eines Teelöffels eine gute Wahl, wenn ihr für die paar Pflänzchen, die ihr aus meinen Samen bekommen habt, nicht extra in einen Pikierstab investieren möchtet.
  • Mit dem gewählten Werkzeug lockert Ihr die Erde um den Keimling auf, dann hebt ihr ihn mit den Wurzeln vorsichtig aus der Erde. Nun seht ihr hoffentlich gute, gesunde Wurzeln: weiß und kräftig. Kürzt die Wurzeln auf ca. 2 cm ein, das regt das weitere Wurzelwachstum an.
  • Mit dem Werkzeug bohrt Ihr ein kleines Loch in die Mitte des neuen Topfes (pro Topf nur 1 Pflanze!). Legt die Wurzeln des Keimlings darüber und drückt sie mit dem Werkzeug vorsichtig in das Loch.
  • Idealtiefe: Die Keimblätter gucken gerade noch aus der Erde. So liegen die Tomaten etwas tiefer als im alten Topf, das trägt dazu bei, dass die Pflanzen besser wachsen und kräftiger werden. An der „Eintauchstelle“ entstehen neue Wurzeln, das ist gut für die Stabilität.
  • Zum Schluss füllt ihr das Loch mit Erde auf und drückt sie vorsichtig um den Stängel fest.
  • Und gleich danach gießt ihr die Pflanze am neuen Standort vorsichtig an.

Nach dieser „OP am offenen Herzen“ brauchen die kleinen Patienten erst einmal 3–4 Tage Ruhe. Zur Erholung stellt ihr sie warm und hell, aber ohne direktes Sonnenlicht. Und natürlich haltet ihr die Erde feucht.

Zur Sonne, zur Freiheit!

Damit die Pflanzen nun gesund weiterwachsen, brauchen sie ein ausgewogenes Verhältnis aus Wasser, Licht und Wärme. Schwierig wird es insbesondere, wenn nicht genügend Licht vorhanden ist, weil die Pflanzen dann auf der Suche nach Licht lang in die Höhe schießen. So bleibt der Stängel jedoch kraftlos, lange wird die Pflanze das nicht durchhalten und schon gar keine Tomaten tragen können. Es gilt: je wärmer, desto mehr Licht.

Ende April beginnt ihr mit dem Abhärten, damit die Pflanzen gut auf den endgültigen Umzug ins Freie vorbereitet sind. Stellt sie tagsüber für einige Stunden draußen geschützt im Halbschatten auf. Wärme ist wichtig, aber bitte auch jetzt noch keine direkte Sonneneinstrahlung. Und bei starkem Wind oder Regen holt ihr sie wieder nach drinnen, nachts sowieso. Wenn die Temperatur nachts nicht unter 10–15 °C sinkt, könnt ihr sie auch ganz draußen lassen. (Der Vorteil beim ganzen Hin-und-her-tragen: Ihr „ärgert“ die Tomatenpflanzen, so dass sie kräftiger wachsen.) Generell hilfreich ist in dieser Phase, die Pflanzen zu stützen, z. B. indem ihr sie locker an einem Schaschlikstäbchen festbindet.

Nach den Eisheiligen, also ungefähr Mitte Mai, können die Tomaten nach draußen.

Geduld bis zur Ernte

Nun wird es richtig spannend, denn der Lohn der Mühen kommt in den Blick: Eure Tomatenpflanzen setzen Blüten an, dann entwickeln sich kleine Tomätchen, die immer größer und irgendwann auch rot werden (und man muss sich so dolle zurückhalten, bis man endlich ernten darf!).

Nur mit Zuschauen ist es in dieser Phase aber auch nicht getan: düngen, gießen, ausgeizen stehen auf dem Programm. Doch an dieser Stelle entlasse ich euch in die Weiten des großen, klugen Internets. Nicht ohne ein paar Wegweiser:

Viel Erfolg!

Und ich würde mich sehr über Fotos freuen, um zu sehen, was aus euren Tomatensamen geworden ist!

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