5 Tipps, damit die Autorenlesung gelingt

Vor einigen Tagen hatte ich meine erste Autorenlesung von „Vitamin V wie Wohnung“.

Wie es gelaufen ist?

Großartig!

In diesem Artikel habe ich einige Faktoren zusammengestellt, die meiner Meinung nach zum Erfolg beigetragen haben. Wenn ihr da noch eigene Tipps und Erfahrungen habt, nur zu, unten ist viel Platz für Kommentare!

1. Hemmungslos werben

Ich hatte fleißig Werbung gemacht: mehrere Ankündigungen in der Presse, darunter zwei große Zeitungsartikel, auf die ich auch mehrfach angesprochen wurde. Ich habe auf Twitter mehrfach darauf hingewiesen, in der Hildesheimer Xing-Gruppe und ich habe Freunde und Bekannte angeschrieben oder persönlich angesprochen. Auf Facebook bin ich nicht, dieser Weg fiel für mich daher aus. Die Buchhandlung hatte schöne Plakate drucken lassen und aufgehängt und auch auf ihrer Website auf die Lesung hingewiesen. Die Information war also definitiv in der Welt. Aber würden die Leute auch kommen?

Die Lesung fand an einem Freitagabend statt und ziemlich viele meldeten mir im Vorfeld zurück, dass sie an dem Abend schon was vorhatten. Klar, Freitag halt. Dabei hatte ich bei der Terminvereinbarung darauf spekuliert, dass gerade der Freitag charmant entspannt würde, weil die meisten am nächsten Morgen nicht zur Arbeit müssen. Vielleicht war das doch keine so gute Idee? Ich wurde ein bisschen nervös. Andererseits: Irgendwas ist ja immer, es werden nie alle können.

Doch dann … Schon als ich bei Ameis Buchecke ankam, waren die ersten beiden Zuhörerinnen da und hatten sich die gemütlichsten Stühle direkt vor dem großen Lesetisch gesichert. Prima! Und dann trudelten sie fleißig ein, und zwar nicht nur Menschen aus meinem Freundes-, Kollegen- und Bekanntenkreis, sondern auch Fremde. Nach einer Weile mussten die beiden Buchhändlerinnen sogar noch zusätzliche Stühle aus ihrer Abstellkammer holen. Wir hatten volles Haus und ich habe mich sehr gefreut, dass sich tatsächlich so viele für diese unbekannte Autorin interessierten.

Fazit 1: Werbung machen, was das Zeug hält, auf allen Kanälen. Veranstalter ebenso wie die Autorin.

2. Wohlfühlen

Für die Räumlichkeiten, Bestuhlung, eventuell Getränke und Häppchen und natürlich für die gute Atmosphäre sorgen die Veranstalter. Bei meiner Lesung wurde beispielsweise die Deckenbeleuchtung ausgeschaltet, Haupt-Lichtquelle war die große Leuchte, die über meinem Lesetisch hing. Das war schön kuschelig und lenkte sicher auch die Blicke auf das Wesentliche. (Mich natürlich!)

Eine gute Lesung kann ich nur abliefern, wenn ich mich wohl fühle, entspannt bin und mich ganz auf den Text konzentrieren kann. Und dafür kann ich selbst etwas tun:

  • bequeme Kleidung und Schuhe wählen, in denen ich mich gut und schön fühle
  • ein Glas stilles (!) Wasser am Platz, daneben eine Karaffe mit Nachschub
  • Brille von Anfang an auf die Nase, denn wenn die Augen erst einmal schwächeln, reißt die Brille das auch nicht mehr raus.
  • ein Paket Taschentücher parat legen
  • zum Signieren der (hoffentlich vielen) verkauften Bücher gut schreibende Stifte griffbereit haben – Stifte im Plural, falls einer zickt
  • Handy ausschalten!
    (Fiele mir mitten in der Lesung ein, dass das Ding noch an ist, wären meine Gedanken nur noch dort und mein Vortrag wäre kein Genuss mehr.)
  • Fotoapparat mit geladenem Akku mitnehmen und festlegen, wer die Fotos machen soll

Fazit 2: Sorgfältig überlegen: wie soll der Abend ablaufen, was werde ich alles brauchen, was trägt zu meinem Wohlbefinden bei?

3. Textauswahl

Dieser Punkt hat mich neben der Werbung im Vorfeld am meisten beschäftigt. 45 bis 60 Minuten Lesedauer sollten es sein, hatte die Buchhändlerin empfohlen. Folgende Fragen habe ich mir bei der Auswahl gestellt:

  • Welche Passagen präsentieren mein Buch am besten? Am zutreffendsten?
    Hier darf man Mut zur Lücke haben. Sicherlich hat nicht nur mein Roman mehrere Handlungsstränge – und man muss sie nicht alle in die Lesung quetschen.
    Ich habe mich auf das „WG“-Leben und Noras Wohnungssuche konzentriert. Lollo, Thies und der unsägliche Web-Hoster kamen nicht vor, das wäre zu viel geworden. So konnte das Publikum in den ausgewählten Szenen einen gewissen Handlungsfortschritt miterleben.
  • Welches Bild will ich von meiner Geschichte, meinen Figuren vermitteln? Lustig? Spannend? Nachdenklich?
    Wenn der Autor einer düsteren Geschichte bei der Lesung genau die fünf Passagen liest, die zufällig doch ganz witzig sind, vermittelt er einen irreführenden Eindruck.
  • Steht eine bestimmte Person im Vordergrund?
    Ich hätte beispielsweise ausschließlich Passagen wählen können, die aus Noras Sicht erzählt werden, so dass meine Leser die anderen Perspektiven später selbst entdecken können. Ähnlich habe ich es kürzlich selbst bei einer Lesung erlebt, die ich besucht habe. Das hat auch gut funktioniert, für meine eigene Lesung habe ich mich aber anders entschieden und die Handlung in den Vordergrund gestellt.
  • Nicht zu viel verraten!
    Eine meiner Lieblingsszenen in „Vitamin V wie Wohnung“ ist ja das große Finale, aber das habe ich mir natürlich verkniffen, schließlich will ich das Ende nicht vorweg nehmen. Und es gab noch einige andere Dinge, auf die ich noch keinen Hinweis geben wollte. Auch das muss man bei der Szenenauswahl berücksichtigen.
  • Womit höre ich auf?
    Die letzte von mir gelesene Szene schilderte einen Unfall, kommendes Ungemach zeichnete sich ab, die letzten Worte waren: „Das würde noch heiter werden.“
    Das ist zwar nicht gerade ein Cliffhanger zum Nägelbeißen, macht aber trotzdem klar, dass es ab jetzt noch richtig munter weitergeht. (Und natürlich habe ich gehofft, dass das vielleicht einige, die bisher noch gezögert haben, zum Kauf animiert.)

Fazit 3: Kluge Textauswahl, Anhaltspunkte siehe oben.

4. Richtig vorlesen

Ich gehe seit fast 15 Jahren regelmäßig in einer Grundschulklasse vorlesen und bekomme immer wieder die Rückmeldung, dass man mir gerne zuhört. Lebendig vorlesen kann ich also.

Ein Trick: Alles das, was man liest, muss man in dem Moment selbst vor dem geistigen Auge sehen. So wirkt das Gelesene viel plastischer und greifbarer. Ich hatte vor Jahren bei einem Kurs für Vorleser die Gelegenheit, das zu erleben, und fand tatsächlich, dass man den Unterschied hören konnte.

Lebendiges Vorlesen ist außerdem ein bisschen wie Theater spielen: Ich lese Dialoge in hoher und tiefer Stimmlage und schreie, flüstere, schmeichele, lache oder stöhne. Aber das macht ihr bestimmt sowieso, oder?

Absolut unverzichtbar: Den Text vorher laut lesen. Mehrmals. Das ist nicht nur wichtig, weil ich dabei merke, mit welcher Betonung und mit welchen Pausen der Text am besten funktioniert, sondern auch für die Zeitplanung: Schließlich muss ich wissen, wie lange das Lesen eines Abschnitts in Anspruch nimmt. Und diese Information brauche ich für die Textauswahl.

Als Autorin habe ich zwei Vorteile: Erstens kenne ich den Text sehr genau (ach?), und zweitens liegt das Manuskript auf meiner Festplatte. Ich habe mir also die ausgewählten Passagen in eine eigene Datei kopiert und lesegerecht formatiert, mit neuen Absätzen dort, wo beim Lesen eine Pause entstehen sollte, betonte Wörter habe ich fett formatiert, „Regieanweisungen“ markiert oder eingefügt. Das sah dann so aus:

Es scheint sehr gut funktioniert zu haben, denn mir wurde enthusiastisch versichert, dass das Zuhören ein Vergnügen war. Und ich wurde mehrfach angesprochen, ich möge „Vitamin V wie Wohnung“ doch bitte als Hörbuch herausbringen, und zwar unbedingt von mir selbst gelesen.

Fazit 4: Vorlesen üben, Manuskript lesegerecht aufbereiten, Zeit stoppen.

5. Die besondere Note

Am Anfang des Romans serviert Nora zur Begrüßung selbstgemachte Limonade und Couscous-Salat. Das Rezept für ihren Couscous-Salat habe ich, hübsch formatiert und farblich passend zum Buchdesign, für mein Publikum vorbereitet und auf meinem großen Lesetisch bereitgelegt. Das durften sich alle Interessierten mitnehmen. (Natürlich war unter dem Rezept die Adresse meiner Website hier vermerkt, und auf der Rückseite gab es nochmal eine Kurzbeschreibung des Buchs. Wie ich schon sagte: hemmungslos werben!)

Meine schönen Buch-Flyer lagen selbstverständlich auch aus.

Nach dem Vorlesen kamen aus dem Publikum noch einige Fragen. Darüber habe ich mich gefreut und es hätten tatsächlich mehr sein dürfen. Schön fand ich, dass sie mir die Gelegenheit gegeben haben, nicht nur sachlich zu antworten, sondern auch ein bisschen zu erzählen oder eine Anekdote einfließen zu lassen. Das macht das Zuhören angenehmer – und man bleibt besser im Gedächtnis. (Stichwort Storytelling.)

Im Rückblick habe ich mir überlegt, dass es vielleicht noch schöner gewesen wäre, meine Person ganz zu Anfang der Veranstaltung erst einmal kurz vorzustellen. So habe ich nach der kurzen Einführung durch die Buchhändlerin gleich mit dem Lesen begonnen. Aber diesen Punkt merke ich mir fürs nächste Mal.

Und Bücher signieren, das tut man als Autorin ja nur zu gerne. Dass das zu einer Lesung gehört, ist natürlich klar, ich führe es hier der Vollständigkeit halber auf. (Mir fehlt beim Signieren noch die Routine, falls hier jemand Erfahrenes mitliest und Tipps für ein paar nette Formulierungen hätte: bitte unten bei den Kommentaren …)

Fazit 5: Dafür sorgen, dass man dem Publikum in angenehmer Erinnerung bleibt.

Und jetzt ihr!

So, und falls ihr noch Tipps habt, was ihr euch als Zuhörer von einer gelungenen Lesung wünscht, oder womit ihr als Autor oder Autorin gute Erfahrungen gemacht habt, dann bitte unten in den Kommentaren eintragen – ich bin äußerst interessiert! (An weiteren Lesungsterminen übrigens auch …)

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