Maklerdeutsch mit reizvollen Blickachsen

Ansicht aus dem Treppenhaus Elbphilharmonie

„Die zeitgemäßen Grundriss-Strukturen machen durch ihre reizvollen Blickachsen moderne genussorientierte Lebenskonzepte erlebbar“, behauptete die Maklerin.

„Was, bitte, hat diese Frau geraucht?“, fragt man sich da natürlich sofort. Doch, in der Architekturszene redet man so, ich habe das selbstverständlich überprüft. Von alleine käme ich auf sowas ja gar nicht. (Beziehungsweise: Den Kater muss ich mir nicht antun.)

Ich habe also recherchiert, um Inspiration für die lyrischen Lobpreisungen der Maklerin zu finden – und bin fündig geworden. Hier einige Beispiele:

  • Zeitgemäße Grundrissstrukturen mit sicherer Detailausbildung
  • „konsequent durchgeplante Idee in kraftvoller Form“
  • die „Farb- und Materialaussage“
  • eine „vitale Eigenständigkeit“
  • „kompositorischer Dialog“
  • „anregendes Raumgefüge“
  • „die Ausgewogenheit vertikaler und horizontaler Betonung“
  • Dieser Artikel war besonders abgefahren: „Die Lochfassade tritt mit dem Betrachter weniger auf einer konkret-sinnlichen, sondern vielmehr auf auf einer abstrakten Ebene in Beziehung“, „Der Übergang zwischen öffentlichem Straßenraum und privater Wohnung wirkt als reinigende Schleuse“, „Ein Bewohner kann sich der Farb-Aufladung in der kurzen Spanne zwischen Wohnung und Straßenraum nicht entziehen“
  • „Damit entsteht eine fließend geordnete Raumsituation, die die innere Kommunikation belebt.“
  • „Das Konzept der haptischen, authentischen Materialität ist klar lesbar gelungen“

Die gefundenen Versatzstücke habe ich dann neu kombiniert, ihr werdet einige dieser Beispiele wiedererkennen.

„Hier wird das Paradigma transparenter Kommunikation zeitgemäß umgesetzt“, teilte sie uns eindringlich mit.

Bevor der Eindruck entsteht, ich würde mich über Architekten und Architektinnen lustig machen wollen: Ich kann mir wirklich vorstellen, dass sie die von ihnen durchdacht geschaffenen Werke völlig anders betrachten, empfinden und aufladen als wir Normalsterbliche, die einfach bloß irgendwo wohnen wollen.

Und sicherlich wirken derart engagierte Beschreibungen aus anderen Fachgebieten auf Fachfremde ebenso merkwürdig. Wie sieht es denn bei euch aus?

(Und trotzdem, mal ganz ehrlich: Meine Varianten reihen sich doch nahtlos ein, oder?)

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