„Liebten wir“

Auf dieses Buch bin ich ganz zufällig im Sommerurlaub gestoßen. Auf dem Grabbeltisch vor einem Husumer Buchladen fielen mir die pinkfarbenen Schlangenlinien des Covers ins Auge. Eigentlich haben mich spontan weder das Cover noch der Titel angesprochen, dennoch wurde ich neugierig. Und ich bin sehr froh, dass ich es mitgenommen habe. Ein absoluter Glücksgriff, für den ich eine riesengroße Empfehlung ausspreche!

Worum geht es?

Moira, genannt Mo, ist Fotografin und betrachtet die Welt, der sie sich nie so ganz zugehörig fühlt, am liebsten durch die Linse ihrer Kamera. Mos großes Lebensthema ist Familie, denn in ihrer eigenen lief es nie gut: Ihre Mutter ist tot, zu ihrem Vater hat sie keinen Kontakt mehr und dann ist da noch ihre Schwester Danae, der sie in herzlicher Abneigung verbunden ist. Am meisten sehnt sie sich danach, richtig zu einer Familie zu gehören, und sieht ihre große Chance gekommen, als sie zu einer Feier bei der Familie ihres neuen Freundes Leon eingeladen ist. Doch dort stellt sich heraus, dass die Dinge nicht so sind, wie es auf den Familienfotos gewirkt hatte. Es kommt zum Eklat, Mo schnappt sich das nächstbeste Auto und rast Hals über Kopf davon – mit Leons Großmutter Aino, die sich auf den Rücksitz geschmuggelt hat. Aino ist zwar krank und gebrechlich, doch im Gegensatz zu den Behauptungen ihrer Familie alles andere als dement. Ganz im Gegenteil entpuppt sie sich als schonungslos scharfsinnig und weiß sehr genau, was sie will.

So beginnt ein literarisches Roadmovie, das die beiden Frauen nach Helsinki führt. Das ist Ainos Heimat und dort hat sie vor ihrem Tod noch etwas zu erledigen. Die beiden Frauen müssen notgedrungen lernen, miteinander klarzukommen, außerdem brauchen sie einander: Mo spricht kein Finnisch und Aino ist körperlich nicht mehr in der Lage, ihre Vorhaben selbst umzusetzen. Und allmählich öffnen sie sich einander. So erfahren wir nach und nach, was in Ainos Jugend geschehen ist und worum es bei der Reise nach Finnland wirklich geht, und auch, warum Mos Familie eigentlich so kaputt ist. Und was es mit dem kryptischen Prolog auf sich hat, der die letzten Gedanken einer ertrinkenden Frau schildert.

Warum empfehle ich dieses Buch?

„Liebten wir“ ist spannend, hervorragend geschrieben und, naja, nicht direkt witzig, aber es hat diesen gewissen trocken-beiläufigen Humor, den ich sehr, sehr mag. Es ist eines dieser Bücher, denen man dankbar ist, dass sie schön lang sind, und traurig, wenn sie zu Ende sind. Es entführt uns nach Helsinki, zeigt uns die finnische Nacht am Strand und lässt uns finnischen Tango tanzen. Es lehrt uns ein wenig Finnisch und mehr über die finnische Mythologie und Geschichte. Es schmerzt beim Lesen und es tut gut. Und es kommen Mumin-Tassen darin vor.

Technische Daten

„Liebten wir“ von Nina Blazon

Website von Nina Blazon (mit Helsinki-Fotos): http://www.ninablazon.com/

Website des Ullstein-Verlags: https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/liebten-wir-9783548285771.html

Taschenbuch, 560 Seiten, 9,99 €, ISBN-13 9783548285771

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