Wenn bei Hamburg-Nord die rote Sonne im Meer versinkt …

Sonnenuntergang über dem Wasser

Rund eine halbe Stunde später saßen Rea und Bruno mit Gisela und Leo um den Esstisch aus glänzend poliertem Holz. In der Mitte des Tisches stand der Topf mit der heißen Suppe, an den Plätzen weiße Suppenteller und funkelnde Wassergläser, bei Leo außerdem schon ein gefülltes Bierglas mit der halbleeren Flasche daneben. Den kleinen Strauß aus Sonnenblumen und Johanniskraut, den Leo und Gisela mitgebracht hatten, hatte Rea neben den gläsernen Wasserkrug an die Seite des Tisches gestellt. Es war noch hell genug, um die Terrassentür aufzulassen, und sie genossen die frische Luft, die in den Raum strömte. Im Hintergrund verbreitete Cesaria Evora eine entspannt-exotische Atmosphäre.

Da wollte ich also Rea und Bruno einen netten, entspannten Sommerabend mit ihren Freunden gönnen, stellte mir die Szene mit der offenen Terrassentür detailreich vor – und fragte mich plötzlich, bis wann es eigentlich hell genug wäre, um überhaupt bei offener Tür beisammenzusitzen. Man will ja schließlich nicht die ganzen Stechmücken im Raum haben.

Wüsstet ihr spontan, wie hell es Ende Juli gegen 19 Uhr abends in Hamburg-Nord ist?
Eben. Ich auch nicht. Wie findet man das also heraus?

Dämmert’s langsam?

Eine erste interessante Erkenntnis bei meiner Recherche war, dass es verschiedene Formen der Dämmerung gibt:

„Es gibt vier Kategorien von Dämmerung. Wenn die Sonne gerade unter dem Horizont verschwunden ist, kommt das Dämmerlicht des „offiziellen“ Sonnenunterganges. Danach die „zivile Dämmerung“. Währenddessen können noch die meisten Aussenaktivitäten ohne Zusatzlicht ausgeführt werden. Dann schließt sich die „nautische Dämmerung“ an. Der Himmel ist schon so dunkel, dass die helleren Sterne gut zu sehen sind. Der Horizont ist auf See noch erkennbar. Wenn die Sonne 12 Grad unter dem Horizont verschwunden ist, verschwindet auch der Horizont auf See im Dunkeln. Dann schließt sich das „astronomische Dämmerlicht“ an. Immer mehr Sterne werden sichtbar aber der Himmel ist immer noch zu hell, als dass ein Astronom schon arbeiten könnte. Erst wenn die Sonne 18 Grad unter dem Horizont verschwunden ist, ist das Dämmerlicht verschwunden.“ (Quelle: exnatura.de)

Allemal interessant, aber für den gemütlichen Abend mit Gisela und Leo hilft uns das noch nicht weiter. Zum Glück stieß ich schließlich auf den Dämmerungsrechner von Jekophoto, bei dem man exakte Koordinaten angeben oder einfach auf die Landkarte klicken kann, um sich für jeden Ort und jeden Monat und Tag die genauen Zeiten von Sonnenauf- und -untergang sowie die Lichtverhältnisse ausrechnen lassen kann.

Ich hatte die Szene im Buch auf den 28. Juli gelegt (ja, für jede Szene gibt es im Plot ein festes Datum), und für einen zufällig gewählten Punkt im Norden Hamburgs sieht das dann so aus:

Screenshot des Ergebnisses im Dämmerungsrechner

Offen gestanden bin ich mir nicht sicher, was die dicken Linien auf der Landkarte bedeuten sollen, aber es sieht sehr eindrucksvoll aus. Ist auch nicht wichtig, denn die Frage, ob man gegen 19 Uhr und auch noch etwas länger bei geöffneter Tür im Wohnzimmer sitzen mag, lässt sich mit der Tabelle eindeutig klären: Unten beim 28. Juli lesen wir, dass der Sonnenuntergang um 21:25 ist. Den Farbstreifen oberhalb der Tabelle verstehe ich so, dass die „goldene Stunde“ gegen 20:30 beginnt. In jedem Fall also kein Problem, die Tür offen zu lassen!

2 Kommentare

  1. Wie großartig!
    Da stöbert man im Blog der Autorin, um diesdasundjenes zur Entstehungsgeschichte zu erfahren … – und lernt direkt noch solche höchst interessanten und erbaulichen Dinge dazu!
    Danke, liebe Katja!

    1. Freut mich, dass du das auch so interessant findest! Ich war bei der Recherche ziemlich überrascht, was man alles so im Internet herausfinden kann. Es gibt noch andere Dämmerungsrechner, aber mit dem genannten kam ich am besten zurecht.

      Katja Heimann

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